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Holzknechtleben 1825

Der Lilienfelder Abt Ambros Becziczka über Leben und Arbeit der Holzknechte
(aus "Historische und topographische Darstellung von Lilienfeld und seiner Umgebung, Wien 1825, S.475 f.)

,,Frei nämlich, wie der Nomade der Steppen oder Wüsten, hauset der Holzknecht in seiner Waldheimat. Er zieht, seine Säge am Rücken, sein Beil mit den Keilen über der Schulter, von Schlag zu Schlag. Eine Keische aus unbehauenen Stämmen, mit einer Baumrinde gedeckt und an einer nahen Quelle aufgeschlagen, ist alles, was er braucht; seinen Unterhalt sichert ihm der Wald und seine flink geführte Axt.

Holzknechthütte Sander a

Holzknechthütte (Luftkeuschen), Federzeichnung von Eduard Sander.
(Der Ausdruck “Luftkeusche” bedeutet, dass die Hütte auf einem Grund gebaut wurde, der nicht dem Hauseigentümer gehört).

Nur an den heiligen Ruhetagen und an den fröhlichen Hochzeit- und Tanzgelagen verläßt er die hohen Bergscheitel und steigt in das lebendigere Thal herab. An der grünen oder grün verbrämten grauen Joppe, an dem grünen breiträndigen Hute, stattlich mit dem Gamsbarte und dem schimmernden Schildhahngefieder geschmückt, an dem freien Blicke und zuweilen an dem zierlich gekrümmten Stutzbärtchen erkennt man den rüstigen Sohn des Waldes.

Wenn der Winter ausgeraset, der wilde Nord nicht mehr in den Wipfeln der hohen Tannen und Fichten heult und unten im Thale die erstarrte Natur unter dem milden Hauche des nahenden Frühlings aufzuleben beginnt, ergreift der Holzknecht dieSäge, den Mösel und die stahlgehärtete Keule und sammelt sich in kleinen Truppen unter eines Meisterknechts Regimente, und nimmt dann die ihm von diesem angewiesene Paß ein.

Die Bäume werden in der Richtung, in welcher sie fallen sollen, an der Wurzel angehackt und von der entgegengesetzten Seite abgesägt. Solcherart abgestockt und im unordentlichen Gewirre neben und übereinander gehäuft, werden die gefällten Stämme mit dem Astbeile abgeästet, von den Wipfeln getrennt und in Brocken von einem bestimmten Maße zersäget. Ist diese Arbeit vollbracht, dann kömmt die Reihe an das eigentliche Scheitermachen.

Rüstig machen sich die Knechte über die in Haufen um sie liegenden Brocken her, kreischend weichen die Brocken der Gewalt mächtig eingetriebener Keile, und schnurrend fliegen die Scheiter umher. Bei dem letzten der geklobenen Brocken richtet sich der Holzknecht auf, übersieht zufrieden seine Arbeit, gedenkt nicht der Schweißströme, des Ungemachs, was sie ihm gekostet; in der Hoffnung seines verdienten Lohns zäunt er seine Scheiter auf und endet damit die Arbeit des Sommers.

Da stehen nun die in Zäunen und Reihen aufgeklafterten Scheiter! Wenn der Herbst dem Gebirge das bunte Laubkleid angethan, wenn unter des Fuchses schleichendem Fuße die abgefallenen falben Blätter knistern und schon einzelne Schneeflocken in der Luft umherflattern - da kömmt der Förster, misst die Scheitermenge ab, berechnet jedem der Holzknechte den Machlohn und handelt mit ihnen über das Bringen der Scheiter ab.

Mittlerweile ist der Winter mit aller Macht hereingebrochen. Dies ist also für den Holzknecht die günstigste Zeit des Holzbringens. Er schnallt die Fußleisen oder die Schneereife um, nimmt den Schlitten zur Hand und macht sich auf die Scheiter bis zur Holzriese zu führen. Ist alles Holz bei der Riese angelangt, werden erstlich nur einige Scheiter über dieselbe hinabgeschoben, um ihre Oberflache zu ebnen und zu glätten, alsdann ergreift einer der Knechte die sogenannte Wasserkatze, schreitet mit Fußeisen bewaffnet die Riese hinab, und gießt mittelst der Katze das Wasser darüber, welches von dem Froste schnell in eine glatte Eisdecke verwandelt wird. Ist alsdann so die Rutschbahn hergerichtet,werden hernach die Scheiter daraufgeschleudert, welche mit Blitzesschnelle in das Thal hinabfahren und sich dann vor der wassersammelnden Klause oder an dem Ufer des Schwemmbaches wieder aufthürmen, von wo sie auf den Schwemmbach geschafft werden."

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